Konfessionsfreie sehen sich in Medien und Politik nicht angemessen berücksichtigt

Dies geht aus einer repräsentativen Befragung in Berlin hervor.

Der neuen Untersuchung zufolge ist die Säkularisierung der Stadtbevölkerung in den letzten Jahren vorangeschritten. So sagten 61 Prozent aller Teilnehmer an der Umfrage, dass sie keiner Religionsgemeinschaft angehören, 4 Prozent mehr als bei der letzten Umfrage im Jahr 2004. Jeder fünfte Befragte gab an, der evangelischen Kirche oder einer evangelischen Freikirche anzugehören (21 Prozent), jeder zehnte Befragte zählte sich zur römisch-katholischen Kirche und 5 Prozent bezeichneten sich als Angehörige einer nicht-christlichen Religionsgemeinschaft.

Für die repräsentative Umfrage hatte das Meinungsforschungsinstitut TNS Emnid zwischen dem 11. März und dem 10. Mai 2016 insgesamt 1.000 Bürger zu ihrer konfessionellen Zugehörigkeit, ihrer Zustimmung zu den Grundsätzen einer nichtreligiösen und humanistisch geprägten Lebensauffassung sowie zur Wahrnehmung und dem Interesse an der Vertretung und Unterstützung durch den Humanistischen Verband in Berlin befragt. Die aktuellen Zahlen sind am Montag im Rahmen einer Tagung mit dem Titel „Frieden und Orientierung“ der Humanistischen Akademie Berlin-Brandenburg im Roten Rathaus vorgestellt worden.

In der Umfrage stimmten der Aussage „Ich führe ein selbstbestimmtes Leben, das auf ethischen und moralischen Grundüberzeugungen beruht und frei ist von Religion und Glauben an einen Gott“ rund 74 Prozent „voll und ganz“ bzw. „eher“ zu. Lediglich ein knappes Viertel (23 Prozent) aller Befragten meinte, dass diese Aussage für sie eher nicht bzw. überhaupt nicht zutreffe. Aus der Gruppe der Konfessionsfreien wollten 13 Prozent der Teilnehmer der Aussage nicht zustimmen. Bemerkenswert ist außerdem, dass nicht nur insgesamt 85 Prozent der befragten Konfessionsfreien die Grundzüge einer nichtreligiösen und humanistisch geprägten Lebensauffassung bejahten, sondern auch viele der befragten katholischen – 18 Prozent – und protestantischen Kirchenangehörigen – 27 Prozent – für sich beanspruchten, „voll und ganz“ ein Leben ohne „Religion und Glauben an einen Gott“ zu führen. Als „eher“ nichtreligiös bezeichneten 39 Prozent der katholischen bzw. 37 Prozent der protestantischen Kirchenangehörigen ihre Lebensauffassung.

Was die allgemeine Wahrnehmung und Einbeziehung betrifft, bestätigten die Umfrageergebnisse kritische Feststellungen wie die des Berichts Gläserne Wände. Denn trotz eines großen Anteils an der Bevölkerung stehen kirchenferne und nichtreligiöse Menschen auch in der deutschen Hauptstadt längst nicht überall gut da, soweit es um ihre Berücksichtigung in wichtigen Bereichen der Öffentlichkeit geht: Mehr als die Hälfte aller Befragten (54 Prozent) meinte hier, dass über die Konfessionsfreien in den Medien und in der Politik nicht angemessen berichtet wird.


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1 Kommentar

  1. anna pohle 8. Juni 2016 / 14:16

    vieleicht soll die bundesrepublik ja ein religiöses land werden, deshalb braucht es viele religiöse einwanderer. so machen viele aktionen der regierung plötzlich einen sinn…..

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